Rückblick 2014

25. und 26. Januar 2014, jeweils von 10 - 17 h

vh Ulm, Club Orange

 

Meistersinger-Seminar mit Werner Hintze:

Das nenn' ich mir einen Abgesang

 

Liebe, Kunst und Politik in Richard Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg«:

 

Wir bedanken uns bei Herrn Hintze für die herrlichen zwei Tage, die uns den ereignisreichen und bedeutungsvollen 3. Akt der Meistersinger Takt für Takt noch näher gebracht haben. Kommen Sie bald wieder!

 

Bilder zur Begrüßung und Verabschiedung durch Mattias Lachenmann:


 

 

 

 

 

 

Samstag, 15. Februar 2014

vh Ulm, Club Orange, 15 h

 

Vorstellung der Stipendiaten 2014

 

Herr Dr. Ambrosius hatte dankenswerter Weise die Interviews der jungen Künstler übernommen und den Mitgliedern und Freunden unseres Verbandes es ermöglicht Näheres über Werdegang und künstlerische Schwerpunkte zu erfahren.

Wir bedanken uns bei den Stipendiaten für die gelungene Präsentation von Person und Können:

Frau I Shiao Shih, Sopran, begeisterte mit Arien und Liedern (u.a. Goethe: "Der du von dem Himmel bist" in der Vertonung von Franz Liszt).

Herr Michael Grau spielte von Johannes Brahms einen Zyklus von späten Klavierstücken, durchwegs leidenschaftlich, dabei präzise - und zu Ende hin einen kraftvollen Sog entfaltend.

Herr Thomas Bierfeld begeisterte mit dem Vortrag des 2. und des 3. Satzes des ersten Hornkonzerts von Richard Strauss. Alle Augen waren fasziniert auf das Horn und seinen Spieler gerichtet, als Herr Bierfeld das finale Allegro, in der von Strauss stammenden Uraufführungsversion mit Klavierbegleitung, in der feinsinnigen Coda zu einem grandiosen Abschluss führte.

Wir danken Herrn Clemens Müller für die Begleitung der Solopartien am Flügel.

Merken Sie sich den 6. Dezember 2014 vor, da beim alljährlichen Abschlusskonzert alle drei nochmals mit einem noch umfangreicheren Programm antreten werden.

Bilder:

Von links nach rechts: Michael Georg Grau, Viola Lachenmann, Clemens Müller , Thomas Bierfeld, I Chiao Shih, Dr. Jürgen Ambrosius

 

Anregende Gespräche mit unseren Mitgliedern nach dem Konzert:

 

 

Samstag und Sonntag, 14.-15. Juni 2014

Linderhof / Garmisch-Partenkirchen

 

Sommerreise nach Schloss Linderhof und Garmisch

Reisebericht

 

Tristan und Isolde in vier Takte verschlungen (R. Strauss, 1946)

Mit dem für die Reise organisierten Tourenbus brachen wir morgens auf zum ersten Ziel: Schloss Linderhof.

 

Das Wetter zunächst bewölkt, Wettervorhersage regnerisch – wir drücken die Daumen. Unter interessanten Gesprächen rund um den Themenkomplex Wagner (als  ein rechter Kunst-Katalysator)  vergeht die Zeit im Flug, wie immer wenn unser Verband beisammen ist. Eigentlich war die Reise nach Schloss Linderhof schon 2009 geplant, so bestand Nachholungsbedarf. Und warum nicht gleich das Angenehme mit dem Schönen verbinden und auch den 150. Geburtstag von Richard Strauss mit einem Abstecher nach Garmisch gebührlich feiern? Soweit der Plan.

Die thematische Führung durch Schlosspark und Schloss „Richard Wagner und Ludwig II.“ wurde durch die sympathische und fachkundige Art von Frau Finlay zu einem besonderen Erlebnis für alle Beteiligten, nach der Begrüßung unseres Verbands ging es los auf einem ansteigenden Weg durch den  Schlosspark. Auch das Wetter spielte mit.

Das Verhältnis zwischen Künstler und König hatte bekanntermaßen zwei Gesichter: hier das Überschwengliche im persönlichen und schriftlichen Umgang, schier grenzenlose finanzielle Unterstützung und Förderung mit wahrhaft idealistischer Kunstüberzeugung; dort Wagners Kalkül im Erfüllen seiner Werkbestrebung, theaterhafte Maskerade auf dem Weg zum eigenen Theater, und hinter den Vorhang blickt man nur vereinzelt in Briefen an Cosima (sinngemäßes Zitat: „Mit diesen Potentaten muss man umgehen wie mit Wahnsinnigen.“). Wäre Richard Wagner auch Richard Wagner ohne die Unterstützung Ludwig II.? Fast muss man ein deutliches Ja aussprechen. Zu dem Zeitpunkt als Wagner in Stuttgart (3. Mai 1864) die Einladung Ludwig II. nach München erhielt waren Rienzi, Tannhäuser, Lohengrin, Rheingold, Walküre, Siegfried (bis auf 3. Akt), Tristan allesamt komponiert, das Textbuch zu Götterdämmerung und Siegfried bereit zur Vertonung, von den Meistersingern gab es bereits das Textbuch und die Overtüre, die Beschäftigung mit Parsifal datiert zurück bis in die 1840er. Das Festspielhaus Bayreuth hingegen wäre ohne die Förderung des Königs nur schwer denkbar. In diesem Punkt gebührt Ludwig II. die Krone.

Am erhöhten „Musizierhäuschen“ hat man einen wunderschönen Rundblick auf Schloss Linderhof, hohe Berge im Hintergrund.  Weiter geht es zur Lohengrin Grotte, die wir noch kurz vor der anstehenden Renovierung besichtigen können. Die Grotte, fertiggestellt 1877, ist künstlich durch Verwendung von Zement in ein Holzhaus mit interner Eisenkonstruktion hineingebaut. Auf erhöhtem Podest konnte Ludwig II. hier eine Privatvorstellung z. B. mit seinen Lieblingspartien aus Tannhäuser erleben, auf Lohengrin-Nachen im beheizten Wasser, rotes Rheingold sowie ein großes Gemälde vom Tannhäuser-Bacchanal mit Nymphen und Satyren blicken – und in „Naht euch dem Strande…“ schwelgen – kurios! Die Lichtregie wurde damals von einem verborgenen Techniker bedient, die perfekte Illusion für die damalige Zeit – Frau Finlay bedient den künstlichen Wasserfall und aktiviert die Lichter für uns, es funktioniert noch immer. Wir hören also die herrliche Ouvertüre zum Tannhäuser und verlassen dann die Grotte. Was Wagner selbst über die Grotte in ihrer direkten Art gedacht hat ist nicht dokumentiert; der Meister war nie in Linderhof.

Wir spazieren weiter vorbei an Ludwigs Lieblingseiche, ein exponiert auf weiter Wiese stehender mächtiger Baum. Um die Ecke dann die Hunding-Hütte, voll ausgestattet mit zentraler Eiche,  Nothung, Herd und Lautsprechern aus denen eine Aufnahme der Walküre, 1. Akt ertönt: „Manche Jagd war auf sie gemacht, doch mutig wehrte das Wolfspaar sich…“. Die ursprüngliche Hütte wurde im 20. Jahrhundert durch Brand zerstört und 1990 neu aufgebaut. Die Gurnemanz-Klause teilt ein ähnliches Schicksal, nach 1945 verfallen, wurde sie erst 2000 wieder errichtet. In der neu erbauten Klause hört man das Parsifal-Vorspiel und sitzt auf groben Holzbänken. Alle kommen zur Ruhe, hier fand ich es besonders schön. Frau Finlay berichtet uns, dass Ludwig sich hier einmal im Frühling zurückzog, um wieder ganz in die Gefühlswelt des 3. Akt Parsifal einzutauchen, nur gab es aufgrund von spätem Schneefall im April keine Blumen, die für eine „lachende Aue“ leider obstinat gewesen wären. Die Gärtner haben für ihren König das Problem, einer ungewöhnlichen Anweisung folgend, einer Lösung zugeführt: Erde wurde flächig ausgehoben und frische Blumen verpflanzt. Ein simulierter Karfreitagszauber.

Auf dem Weg die Treppen zum Schloss hinunter machen wir ein Gruppenfoto im Sonnenschein und erleben noch die Schlossführung. Wir bedanken uns zur Verabschiedung herzlich bei Frau Finlay für die interessante Führung über Wagner und seinen jugendlichen Gönner, der damals immerhin als schönster Mann Europas galt.

Weiter geht es mit dem Bus um ca. 16:00 h nach Garmisch-Partenkirchen. Der Komponist und Dirigent Richard Strauss, der in Garmisch zunächst zeitweise, später einen festen Wohnsitz hatte, wurde vor 150 Jahren in München geboren. Im Geburtsjahr 1864 konnte sein Vater Franz Strauss, 1. Hornist des Münchener Hoforchesters, gleich zwei Kinder aus der Taufe heben: Die Hornpartien in Wagners Tristan & Isolde, da die Oper damals zum ersten Mal und zwar unter Wagner selbst geprobt wurde, sowie den kleinen Richard Georg. Nun war Strauss senior der neuartigen Musikwelt Wagners und Wagner als Person alles andere als gewogen, zetert er doch einmal über Wagner, dass dieser bei einer Probe so betrunken gewesen sei, dass er fast in den Orchestergraben gefallen wäre. Ganz so schlimm wird es dann doch nicht gewesen sein, denn Franz Strauss war zwar ein "Original" aber bei vielen Uraufführungen Wagnerscher Musikdramen erster Hornist und soll wunderschön gespielt haben. Diese „Aversion“ ist glücklicherweise bei Richard  ausgeblieben, Wagner wurde von ihm über seine ganze Dirigentenlaufbahn hinweg immer wieder und mit unermüdlicher Liebe dirigiert, u.a. mit 30 Jahren  in Bayreuth Tannhäuser (Inszenierung: Cosima Wagner), als Komponist verstand sich Strauss als letztes Glied einer langen Kette deutscher Musiker von Bach, Beethoven bis Wagner.  Besonders an Richard Strauss ist sicher auch, wie nahe er an unsere Zeit heranreicht. Er starb 1949 im Gründungsjahr der Bundesrepublik Deutschland und viele seiner späten Fotografien dokumentieren dieses Hineinragen eines musikalischen Giganten in ein freieres Zeitalter auf einmalige Weise.

Nach Einchecken im Hotel Königshof und dem Abendessen im Gasthof Wildschütz ging es zum Richard-Strauss-Festival, das alljährlich in Garmisch stattfindet. Ich war vergangenes Jahr schon dort zu einer wunderschönen Ariadne auf Naxos. Diesmal hatten wir uns für den Liederabend mit Ian Bostridge und Julius Drake im Kongress Garmisch verabredet. Bostridge sang Strauss satirischen Krämerspiegel, Lieder von Liszt und Schumann (Dichterliebe). Die Dichterliebe war vortrefflich in der Artikulation. Die Gesang- und Gestaltungskunst der beiden Engländer erinnert an die genialen Interpretationen und Liedaufnahmen von Peter Pears und Benjamin Britten. Als Zugabe gab es von Henry Purcell das „Music for a while“ und von Schubert/Hölti: „Geuß, lieber Mond, D 193“. Die Künstler werden mehrfach beklatscht, nur der Taxifahrer, der draussen im Dunkeln ungeduldig auf die Managerin einredet schlägt bei jedem erneuten Vortreten die Hände über dem Kopf zusammen – wahrscheinlich müssen die beiden schnell zum Flughafen und weiter nach New York, London,…. Wir beschließen den Abend in einer gemütlichen Bar, eine kleinere Gruppe geht noch zum Jazz Ausklang zurück in den Kongress.

Am nächsten Tag, ein Sonntag, erwartet uns bei wunderbar sonnigem Wetter Herr Dr. Richard May in den Räumlichkeiten des Richard-Strauss-Instituts (RSI). Das geräumige Jugendstilgebäude in der Schnitzschulstraße ist seit 1999 Ort der Strausspflege und -forschung. Das RSI organisiert auch das Richard-Strauss-Festival. Darüberhinaus beherbergt es ein Museum mit verschiedensten Strauss-Memorabilia. Nach der Begrüßung werden wir zuerst durch das Haus geführt. Viele unbekannte Fotografien von Strauss dem Privatmann sind dort zu finden, etwa auf einem Schlitten im Winter zusammen mit seinen Enkeln. Von der Alpensinfonie, dieser Krönung seines sinfonischen Schaffens, ist dort eine Orchesterskizze vorhanden, die noch den später getilgten vollständigen Titel „Der Antichrist. Eine Alpensinfonie“ trägt. Beeindruckend auch wie klein und filigran die autographe Notenschrift ist, er hat stets ohne Brille gearbeitet erklärt uns Herr May – wir alle tun uns unendlich schwer beim Lesen und staunen. Im gleichen Raum steht auch der Arbeitstisch des Komponisten, welcher sehr praktisch eingerichtet ist, man erinnert sich gleich an die Beschreibung Straussens Arbeitsweise in Stefan Zweigs „Die Welt von Gestern“. Wie schreibt es Strauss auch selbst an anderer Stelle über die Alpensinfonie: "...sittliche Reinigung aus eigener Kraft, Befreiung durch die Arbeit, Anbetung der ewigen, herrlichen Natur".

Ein besonderes Highlight für CD-Sammler und insbesondere Strauss-Fans ist die Tonträger- und Filmsammlung im Keller des RSI. Hier sind soviele Aufnahmen vorhanden, dass es mir unmöglich ist eine ungefähre Zahl zu nennen, es war beeindruckend! Nebenan ist ein Raum mit einer vortrefflichen Hifi-Anlage, Herr Dr. May legt aus dem späten Oboenkonzert den Finalsatz auf und erzählt uns einige Strauss-Anekdoten. Als die Amerikaner 1945 Garmisch eroberten, wurden viele Anwesen in Beschlag genommen, um Unterbringung der eigenen Truppen und Versorgung Bedürftiger zu gewährleisten. Als die GIs eine Villa am Stadtrand betreten kommt ein Mann mit einer Partitur in der Hand heraus und äussert, er sei „Richard Strauss, composer of the Rosenkavalier.“. Es müssen musikliebende Soldaten vor Ort gewesen sein, denn die Villa Strauss wurde off limits gesetzt und Strauss verbrachte mehrere Tage im Gespräch mit den amerikanischen Gästen. Darunter war auch ein junger, virtuoser Oboist, der Strauss fragte ob er denn nicht a piece for oboe komponieren wolle. Welch Zufall! Strauss sagte zwar erstmal„Nein.“, kam jedoch später doch darauf zurück; der Soldat, zu Hause Oboist in Philadelphia, mag sich später bestimmt gewundert haben, als er von der 1946 erfolgten Uraufführung (Zürich) eines Oboenkonzertes mit Orchester von Richard Strauss hörte. Aus der Nachkriegszeit ist noch eine andere Geschichte überliefert: auf einer seiner letzten Reisen nach England 1947 fragte ihn eine Journalistin, was er denn jetzt noch vorhabe, worauf Strauss bajuwarisch knapp antwortete: „Na, sterben halt.“.

In der Bibliothek im oberen Stockwerk des RSI findet sich musikwissenschaftliche Literatur und eine vollständige Notensammlung aller Werke Straussens, und dies z. B. bei den Liedern sogar in mehreren Ausgaben unterschiedlicher Verleger. Hier finden auch Seminare zusammen mit der Musikhochschule München und der LMU München statt.


Im unteren Musiksaal referiert Herr May im Anschluss für uns über „Die Tondichtungen von Richard Strauss und die symphonische Krise nach Beethoven“. Die Entwicklung von den frühen Werken „Aus Italien“ bis zur „Alpensinfonie“ lassen sich in den Kontext von Beethovens 9 Symphonien bringen. Anhand von Hörbeispielen werden Bezüge z. B. zwischen Macbeth zur d-moll Symphonie Beehovens erläutert. Dr. May erläutert uns die Klangflächentechnik der Alpensinfonie, die bis auf Komponisten wie Ligeti gewirkt hat. Die thematische Erläuterung verschiedener Stellen des Werks macht vielen unserer Mitglieder großen Eindruck, wie ich im Nachhinein in Gesprächen erfahre – Anregung zur fortgesetzten Beschäftigung mit Richard Strauss.

Später frage ich Herrn May was es mit den Skizzen zu einer allerletzten symphonischen Tondichtung aus den frühen 1940ern auf sich hat. Die mit dem Titel „Die Donau“ versehenen Skizzen haben bis jetzt zu keinen Rekonstruktionsversuchen und Toneinspielungen geführt. Das Material ist vielversprechend aber nicht bis zu dem Grade ausgearbeitet, um eine Rekonstruktion im Sinne des Komponisten zu ermöglichen. Ich hoffe dennoch, dass irgendwann doch eine Komplettierung vergleichbar Schuberts „Letzter Symphonie in D-Dur“  (B. Newbould) unternommen wird. Wir verabschieden uns dankend bei Herrn May und können den Besuch im RSI allen Musikfreunden nur wärmstens weiterempfehlen.

Nach dem Mittagessen besichtigen wir noch die Strauss-Ausstellung „Strauss Bilder“ im Kurpark Garmisch. Die Ausstellung wurde auch vom Richard-Strauss-Institut organisiert (Kuratorin: Frau Anita Bauer). Besonders in Erinnerung ist mir eine Darstellung des Erdballs mit markierten Orten die Strauss im Laufe seines langen Lebens besucht hat. Er war quasi überall. Auch mit Bruckner im Gepäck in Brasilien. Im Sonnenschein gibt es noch etwas freie Zeit in der Innenstadt, dann checken wir im Hotel aus.


Auf dem Rückweg fahren wir noch zur Strauss-Villa, welche noch immer im Privatbesitz der Familie Strauss ist: unser letzter Programmpunkt. Ein sehr schöner Bau. Kaiser Wilhelm II. der von der expressionistisch brutalen Realität der Salome wohl nicht gerade begeistert war, soll von seinem damaligen Berliner Kapellmeister Strauss sinngemäß gesagt haben: „Mit der Komposition der Salome wird sich Strauss furchtbar schaden“. Als dieser davon erfuhr bemerkte er lakonisch: „Von diesem Schaden konnte ich mir die Garmischer Villa bauen“.

Mir kommt das ekstatische Ende der Elektra („Wir sind bei den Göttern, wir Vollbringenden.“ etc.  ), das Richard Strauss so unvergesslich und erschütternd gestaltet hat, in den Sinn. Wie bemerkenswert die Kontrastwirkung:  Im Kreise seiner Familie, in seinem neu erbauten Landhaus, zu Fuße der majestätischen Zugspitze und in einem gänzlich anderen Klima als dem seiner griechischen Heldin wird das Werk geschaffen – was am Ende der Elektra Partitur steht, lässt vermuten, dass  Strauss sich in dieser Zeit auch wie unter Göttern heimisch gefühlt haben muss: 

Garmisch 22. September 1908.

Aber nicht alles verlief im Leben des Komponisten harmonisch, zumal in späteren Jahren: Als exponierte Person der Kunstwelt und Kunstpolitik blieb Strauss von politischen Verquickungen nicht verschont, er verstrickte sich manchmal sogar allzu unvorsichtig in Zwiste mit den politischen Führern seiner Zeit. Dies war zum einen geschuldet seiner unbestechlichen Direktheit, zum anderen dem Bewusstsein seines eigenen Stellenwertes. Eigentlich positive Eigenschaften. Zunächst Präsident der Reichsmusikkammer 1933-1935 (ab 1934 innerlich distanziert), fiel Strauss jedoch bald in Ungnade. Wie unangehm Strauss etwa dem Nazi-Regime nach der Zweig-Affäre 1935 wurde erklärt sich aus den Repressalien gegen seine Familie (irgendwer untertitelte und veröffentlichte eine Familienfotografie mit  „Dr. Richard Strauss lässt sich mit seinen jüdischen Enkelkindern fotografieren.“) und gegen sein Werk. Joseph Goebbels, welchem Strauss  noch 1933 das Lied „Das Bächlein“ ahnungslos dediziert hatte, schrieb 1935 in sein Tagebuch „Richard Strauß schreibt einen besonders gemeinen Brief an den Juden Stefan Zweig. Die Stapo fängt ihn auf. Der Brief ist dreist und dazu saudumm. Jetzt muß Strauß auch weg. [..]. Diese Künstler sind doch politisch alle charakterlos. Von Goethe bis Strauß. Weg damit! Strauß ‚mimt den Musikkammerpräsidenten‘. Das schreibt er an einen Juden. Pfui Teufel!“, und sagte weiterhin (nach Werner Egks Bericht) wohl auch direkt zu Strauss „Die Kultur von morgen ist eine andere als die von gestern. Sie, Herr Strauss, sind von gestern!“.

Wie kontrovers aber die Beziehung zum Nazi-Regime in der Praxis wirklich war zeigen zwei lose herausgegriffene Beispiele: 1934 komponierte Strauss, – so er Stefan Zweig gegenüber- relativ lustlos, die wenig inspirierte Olympische Hymne „Völker, seid des Volkes Gäste“ und dirigierte diese auch selbst 1936 zur feierlichen Eröffnungsfeier. Wie passt es nun zu seiner sonst kritischen Einstellung (nach Demission als Präsident der Reichsmusikkammer), dass er die Klavierpartitur der Hymne Hitler in einer Privataudienz persönlich überreichte und im Anschluss im Notizbuch dazu vermerkte, der Führer habe sie mit den Worten entgegen genommen: „Es wird mir ein teures Andenken sein.“. Als Strauss sich ein Jahr zuvor durch seine Zusammenarbeit mit Stefan Zweig in jeglicher Hinsicht kompromittiert hatte, hatte er nicht nur mehrfach versucht eine persönliche Aussprache mit Hitler zu erwirken, er schickte auch – vermutlich in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Franz – einen demütigen Brief direkt ins Führerbüro, in welchem er zwar seine Indifferenz in allen Politikfragen hervorhob, jedoch am Ende mit „Heil Hitler“ unterschrieb. Eine Antwort erhielt er nie. Die Last der Sorge um seine Nächsten (Strauss Schwiegertochter Alice war Jüdin) macht sein Verhalten vielleicht in Ansätzen verständlich.

Die Größe des Künstlers Richard Strauss wirkt weiter in seiner Musik mit der bewunderungswürdigen Energie und Dynamik seines genialen Werkes.

Der Rückweg nach Ulm bot uns noch die Gelegenheit eine Stunde am Plansee die Füße ins nasse Blau zu hängen und in der grünen Wiese die Beine auszustrecken. In Ulm angekommen bedanken wir uns herzlich bei Herrn Beer für die Zeit die er sich für uns mit seinem großen Reisebus genommen hat und verabschieden uns.

 

Georg Vallant,

2. Vorsitzender

 

 

Literatur:

[1]: Franz Trenner, "Richard Strauss. Werkverzeichnis", W. Ludwig Verlag, 1993.

[2]: Michael H. Kater, "Komponisten im Nationalsozialismus," Parthas Verlag, 2004.

[3]: Ernst Krause, "Richard Strauss. Der letzte Romantiker", Heyne Verlag, 1979.

[4]: Stefan Zweig, "Die Welt von Gestern", S. Fischer, 1952.

[5]: Joachim Köhler, "Der lachende Wagner", Heyne Verlag, 2012.

25-28. September 2014

Eisenach/Weimar/Leipzig/Dresden/Graupa

 

Auf verwunschenen Wegen zum “eingehausten“ Wagner-Denkmal

in Graupa bei Dresden und vieles mehr erlebten die 16 Wagner Fans und solche, die es werden wollen, von 25. bis 28. September 2014 auf unserer Reise nach Mitteldeutschland auf den Spuren des jungen Richard Wagner. Nicht vergessen möchte ich unseren weiteren Gast, das Hundefräulein Dele, das uns in der Tasche seines Frauchens überall hin begleitet und alle begeistert hat.

Früh ging es los am Donnerstag, den 25. September über Neu-Ulm, Thalfingen und Rothenburg in Richtung Weimar. Vorher aber stand der Besuch der gewaltigen Wartburg auf dem Programm.

Pfarrer Burmann, unser bewährter Reisebegleiter, war wie immer ein interessanter Unterhalter und begeisterte mit seinem unerschöpflichen Wissen und seinen auswendig vorgetragenen Gedichten.

Angekommen in Eisenach gab es eine kurze Rundfahrt durch die Stadt, bevor wir zum Parkplatz der Wartburg fuhren, um die letzten 200 m zu Fuß nach oben zu steigen. Oben angekommen erwartete uns ein atemberaubender Ausblick auf Thüringen und seinen herrlichen Wald. Es wird zum Luther-Jubiläum im Jahr 2017 bereits viel renoviert auf der Burg. Um 13 h wurden wir uns von unserer Führerin begrüßt, die uns sehr anregend erzählte von 900 Jahre positiver Geschichte der Burg und uns an Hand vieler Geschichten von Raum zu Raum führte, über den Sängersaal bis zum Höhepunkt, dem Festsaal im Palas, mit Musik aus dem Tannhäuser – Einzug der Gäste. Kaum konnten wir uns von dem wunderschönen Saal trennen. Hinaus ging es dann durch ein neu gestaltetes Museum, Abschluss bildete die Luther-Stube.

Das Wetter war herrlich, die Sonne schien, sodass wir den herrlichen Ausblick rund um die Burg noch einmal genießen konnten. Wagner selbst liebte die Wartburg, von der er sagte: „Einen wirklichen Lichtblick gewährte mir die Begegnung mit der Wartburg“.

Der Bus brachte uns dann nach Weimar, wir bezogen unser Hotel und wurden von unserem Busfahrer noch in die Stadt gefahren. Es schon etwas spät, aber wir konnten mit Pfarrer Burmann den Park anschauen mit Blick auf Goethes Gartenhaus, in dem er mit seiner Christiane gelebt hat. An Goethes Stadthaus vorbei kamen wir auf den herrlichen Marktplatz, von dem aus viele Häuser in verschiedenen Stilepochen zu bewundern waren.

Dann aber hatten wir Hunger, wir wurden in einer italienischen Gaststätte bereits mit einem guten Salatbüffet erwartet. Auch die Tagliatelle mit Steinpilzen schmeckten sehr gut.

Zeit für Theater! Wir hatten Karten für den „Faust“ im Nationaltheater, vor dessen Toren Goethe und Schiller auf die Besucher blicken. Der Faust hat uns rundum begeistert, eine jugendlich frische Inszenierung. Eine Gruppe ging dann mit Pfarrer Burmann über Umwegen zurück zum Hotel, die „Unentwegten“ ließen den Tag mit einem Umtrunk im Hotel „Alt-Weimar“ ausklingen, der anschließende längere Fußmarsch zum Hotel ließ uns müde ins Bett plumpsen.

Auch am 26. September mussten wir früh aufstehen, wir hatten eine weiten Fahrt nach Graupa, zum Wagner Museum im dortigen Jagdschloss und dem großen Wagner Denkmal zu bewältigen. Es regnete stark und auf Grund eines Staus auf der Autobahn kamen wir 1 Std nach der verabredete Zeit in Graupa an. Hier in der ländlichen Idylle hat sich Wagner besonders wohl gefühlt, dort fand er Erholung und schöpferische Muße.

Wir wurden im Jagdschlösschen sehr herzlich begrüßt. Nach einer kurzen Kaffeepause wurden wir durch die überaus interessant konzipierte Ausstellung geführt. Im ersten Raum befinden sich viele Informationen, Fotos über das Leben von R.W. und ein Bühnenmodell. Unsere Führerin erzählte viel Interessantes und auch für eingefleischte Wagnerianer noch Neues. Der zweite Raum widmet sich der Dichtkunst R. W., in einem kleinen Bücherturm befinden sich einige sehr alte Exponate, es waren aber viele Bücher auch zum Anfassen und luden zum Lesen ein. Der dritte Raum befasst sich mit den Kompositionen R.W. und im 4. Raum konnten wir erleben, wie er seine Dichtung und seine Komposition auf der Bühne erlebbar machen wollte. Wir konnten in einer kleinen Bühne das Ende des Holländers und des Lohengrin erleben, was uns sehr beeindruckte.

Dann der Höhepunkt der Ausstellung – der sog. Orchesterraum. Winzige Modellchen von Instrumenten waren in einer Glasvitrine angeordnet, bei den Klängen der Ouvertüre von Tristan und Isolde konnten wir an Hand von Lichtblitzen sehen, welche Klänge die Instrumente ausstrahlen und wie sie miteinander verwoben sind. An den Wänden Fotos von Freunden, Weggefährten und Bewunderern Wagners.

Eilig marschierten wir anschließend durch den Regen hinüber zum sog. Lohengrin Haus. Dort lebte Wagner mit Minna von Mitte Mai bis Ende Juli 1846. Es war ein „Arbeitsurlaub“, in diesem Wochen schrieb er die Notenblätter zum Lohengrin.

Oh je, es war spät, sodass wir diesen hübschen Ort viel zu schnell wieder verlassen mussten, um das in der Nähe gelegene riesige Wagner Denkmal von Richard Guhr zu bewundern. Leider mussten wir feststellen, dass es „eingehaust“ war, d. h. wir sahen nur den Sockel und darüber ein großes Gerüst. Aber alleine der verwunschene Weg – wenn auch im Regen – vorbei an einem rauschenden Wildbach im Wald war ein Erlebnis besonderer Art. Wir müssen unbedingt wieder kommen bei Sonnenschein, Idylle pur!

Das Mittagessen auf der Bastei war sehr gut, von der herrlichen Gegend auf Grund des schlechten Wetters sahen wir zwar nur wenig, aber die bizarren Felsen konnten wir durch den Nebel und den Regen dennoch bewundern. Auch hier heißt es für uns wiederkommen bei schönem Wetter.

Der Bus brachte uns dann nach Dresden in unser sehr hübsches Hotel, wo wir bereits erwartet wurden. Aber auch hier:  schnell umziehen und wieder weiter, denn heute Abend erwartete uns in der Semper Oper das Ballett „Romeo und Julia“ in der Musik von Sergej Prokovieff. Erst lamentierten wir Wagner-Besessenen, wie schön es doch wäre, einen Lohengrin zu hören, wurden dann aber schnell gefangen genommen von der wunderbar getanzten Tragödie von Romeo und Julia. Julia wurde getanzt von einer jungen Chinesin, die uns überaus gut gefiel. Die Choreografie war sehr modern und sehr spannend – ein gelungener Abend.

Wer ins Hotel zurück wollte, wurde von unserem freundlichen Busfahrer Joachim zum Hotel gefahren, eine andere Gruppe besuchte das Kneipenviertel um die Frauenkirche und ließ den ereignisreichen Tag dort ausklingen.

Und schon war es Samstag – 7 Uhr antreten zum Frühstück – der Bus fuhr nämlich um 8 h los nach Leipzig – ein weiterer Höhepunkt der Reise. Wir brauchten ca. 1 ½ Stunden, besichtigten kurz das Völkerschlachtdenkmal und traten um 10 h unsere wunderbare Reise durch Leipzigs Wasserstraßen und Kanäle an. Waren in der DDR-Zeit die Kanäle zugedeckt worden, um den Gestank des Giftes, das von der Industrie in die Kanäle geschüttet wurde, zu verdecken, wurden die Wasserstraßen nach der Wende wieder belebt, es gibt wieder Fische, wir sahen einen Fischreiher und viele Nutrias, die das Ufer abfressen. Unser „Kapitän“ erzählte mit Lust und Laune viel über Leipzig, sogar Kaffee stand auf dem Schiff bereit. Der Ausflug machte allen viel Spaß, nach über einer Stunde dockten wir viel zu schnell wieder an und wurden mit dem Bus nach Leipzig gebracht, um dort kurze Zeit später im hübschen „Café Wagner“ am Richard-Wagner-Platz, gegenüber Wagners ehemaligen Geburtshaus, eine Kleinigkeit zu essen. Thomas Krakow, der Vorsitzende des Leipziger Richard Wagner Verbands und neuer Präsident des Internationalen Richard Wagner Verbands begrüßte uns sehr herzlich in „seiner“ Stadt. Wir bekamen eine überaus gescheite und kurzweilige Führung durch Leipzig, Herr Krakow hatte viel zu erzählen. Alle waren begeistert. Die Führung endete an der Thomaskirche, wo uns Pfarrer Burmann schon erwartete, denn um 15 h gab es die samstägliche Motette der Thomaner – leider waren die Thomaner aber nicht in Leipzig. Es sang aber der Reger Kammerchor aus Braunschweig. Wir mussten die Kirche früher verlassen, um um 16 h im berühmten Leipziger Gewandhaus ein Familienkonzert mit zu erleben – das zweite Klavierkonzert von Rachmaninov. Es war moderiert und für Kinder wurde viel erklärt, bis es dann durchgespielt wurde. Obwohl wirklich viele Kinder im Saal waren, war es erstaunlich ruhig – das sprach für die Qualität der Aufführung. Beseelt von der schönen Musik wurden wir von Pfarrer Burmann weiter durch Leipzig geführt, es ging hinauf auf den hohen MDR-Turm, von dort ist eine herrliche Aussicht auf Leipzig zu genießen.

Im berühmten „Auerbachs Keller“ gab es ein zünftiges Abendessen – die Zeit danach bis zur Abfahrt des Busses um 21.15 h stand dann zur freien Verfügung. Eine Gruppe genoss ein gegenüber der Thomaskirche gebrautes Bier, andere schlenderten durch die bevölkerten Straßen, bevor uns dann der Bus nach Dresden in unser Hotel zurück brachte, an der Bar ließen wir den Tag fröhlich ausklingen.

Auch am Sonntag kannte Pfarrer Burmann mit uns kein Pardon – um 7 h Frühstück, um 8 h saßen wir im Bus – bereit für Dresden! Glücklicherweise waren wir früh aufgebrochen, es lag noch Nebel über der herrlichen Stadt, aber die Sonne schien bereits durch und brach sich dann auch bald ihre Bahn. Wir marschierten mit Pfarrer Burmann über die Brühlschen Terrassen und die Augustbrücke , einige von uns besuchten das berühmte Grüne Gewölbe, viele den Gottesdienst in der Frauenkirche, danach entweder die „Alten oder Neuen Meister“ , um dann – dazwischen mit freier Verfügung – um 13.45 h wieder am Bus zu einzutreffen – unwiederbringlich mussten wir den Heimweg antreten – wie bedauerlich!

Aber wir hatten noch unser Abendessen in der Fränkischen Schweiz vor uns, im Gasthof Kürzdörfer in Lindenhardt. Die Tische standen schon für uns bereit, wir labten uns an gutem Bier aus der eigenen Brauerei, aßen Schnitzel, Würste oder Roulade, bevor wir uns dann erschöpft, aber vergnügt auf die letzte Etappe unserer Reise machten.

Ich danke Pfarrer Burmann für seinen unermüdlichen Einsatz, unserem zuverlässigen Busfahrer, allen Mitreisenden und nicht zuletzt dem lieben Gott, dass wir gesund und erfüllt mit so vielen Eindrücken wohlbehalten zurück kehren durften.

 

Viola Lachenmann, 1. Vorsitzende

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 12. Oktober, 15 h

Theater Ulm, Foyer

 

Wagner ist schuld. Festvortrag von Matthias Kaiser

 

Wir bedanken uns bei Operndirektor Matthias Kaiser für die Annahme der Ehrenmitgliedschaft und für seinen festlichen Vortrag. Anstatt eines gesonderten Rückblicks können Sie den Vortrag  hier online nachlesen.

 

→ PDF zum Vortrag "Wagner ist schuld"


Den Stipendiaten Frau Shih, Herrn Kiechle und Herrn Bierfeld sowie Herrn Beketov (am Flügel) danken wir vielmals für die musikalische Gestaltung.

 

Bilder: