2013

Rückblick 2013

03. Februar 2013
Stuttgart, Staatsoper

Ein Sonntag mit Wagner, dem Theater und den Göttern

Das "Vereinsjahr" begann für uns am 3. Februar mit einer Opernreise nach Stuttgart zur Götterdämmerung. Herr Dr. Römer hat den Tag nochmals Revue passieren lassen, lesen Sie anbei seinen Bericht:

Link zum Bericht (PDF)

Weitere Eindrücke:

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


15. Februar 2013
Ulm, Stadthaus

Stefan und Sabine Vinke im Stadthaus Ulm

"Spätestens um 19. 35 h waren wir sicher, dass der von uns gemietete Stadthaussaal voll und der Konzertabend mit Stefan und Sabine Vinke, begleitet am Flügel von Garry Kudo, ein Erfolg werden würde. Die Leute strömten geradezu, um noch einen guten Platz zu erwischen.

 

Fast pünktlich begrüßte ich die Gäste, die sich auf einen außerordentlichen Abend freuten und nicht enttäuscht wurden!

 

 

Im ersten Teil des Abends waren Ausschnitte aus „Tannhäuser“ zu hören: Szenen des Tannhäuser aus dem Venusberg, Hallenarie der Elisabeth und Duett Elisabeth/Tannhäuser aus dem 2. Akt, das Gebet der Elisabeth aus dem 3. Akt und zum Abschluss die Römerzählung, mitreißend gesungen und leicht szenisch interpretiert von Ehepaar Vinke. Stefan Vinke kannten wir bereits, er war im Januar 2010 zu einem Gesprächskonzert bei uns gewesen und hatte damals bereits die Zuhörer mit seinem kraftvollen schönen Tenor begeistert.

 

Erfreut waren wir von dem klangstarken und kraftvollen Sopran von Sabine Vinke, die ihrem Mann in nichts nachstand und nicht nur mich mit dem Gebet der Elisabeth begeisterte.

Die sympathischen Sänger wurden einfühlsam begleitet von Gary Kudo, dem Solorepetitor des Nationaltheaters Mannheim.

 

Nach der Pause wichen bei allen Zuhörern die Winterstürme dem Wonnemond und Siegfried fragte sich, wie seine Mutter wohl aussah. Stefan Vinke ist Siegfried – auf der ganzen Welt wird er gefeiert in dieser Rolle, er verkörpert den „Helden“ vollendet. Am meisten beeindruckte mich, wie schnell die Sänger von einer Rolle in die andere schlüpften und sie dann auch darstellten – die enorme Bühnenpräsenz von Stefan Vinke hat mich von Anfang an fasziniert.

 

Danach vielleicht der Höhepunkt des Abends: Szenen aus dem „Lohengrin“: Sabine Vinke war eine mitreißende Elsa, die auf ihren Ritter wartete, um sie zu erlösen. Die Brautgemachszene, die beide Künstler eindrücklich sangen und szenisch andeuteten, war besonders beeindruckend. Man spürte, wie gerne das Ehepaar zusammen sang und sich liebte, das gab der Szene eine besonders anrührende Note, die nicht nur mir Tränen in die Augen trieb.

 

Bevor Stefan Vinke uns mit der Gralserzählung begeisterte, überreichte ich ihm seine Ehrenurkunde, gestaltet vom Stuttgarter Künstler Stephan Köperl. Vinke freute sich sehr, Ehrenmitglied in unserem Verband zu sein und animierte wenig später die Zuhörer, doch auch Mitglied bei uns zu werden.

 

Vinke bedankte sich mit einer hinreißend gesungenen Gralserzählung, für die sich wiederum die Zuhörer mit viel Applaus und Bravo-Rufen revanchierte.

 

Alle Künstler wurden von unserem Publikum hermetisch gefeiert, weshalb sie sich noch zu einer Zugabe – der Schlussszene aus dem 1. Aufzug Walküre – verführen ließen. Die Künstler versprachen vor ca. 230 Zeugen, wieder einmal nach Ulm zu kommen. Darauf freuen wir uns heute schon.

 

Der großartige Abend klang mit den Künstlern im Stadthauscafé aus.

 

Ich danke allen Künstlern nochmals sehr herzlich für diesen unvergesslichen Abend und ihren enormen Einsatz."

 

Viola Lachenmann, 1. Vorsitzende

 

 

Samstag, 23. März 2013

15 h, vh Ulm, Club Orange

 

"Wagners Leiden"

 

Lesen Sie Frau Viola Lachenmanns Bericht zum vergangenen Vortrag "Die Erkrankungen Richard Wagners" von Herrn Dr. Theodor Wichmann, Halle:

 

Obwohl das Leiden Wagners schon viele Jahre vorüber ist, litten die vielen Zuhörer bei der interessanten Schilderung von Priv. Doz. Dr. Theodor Wichmann aus Halle über die chronischen lebenslangen Krankheiten unseres geliebten Meisters mit, ja wir waren geradezu erschüttert.

 

Herr Dr. Wichmann, Herzspezialist, Wagnerkenner und Vorsitzender des Richard Wagner Verbands Halle schilderte uns an Hand von Fotos eindringlich, mit welch erheblichen Beschwerden Wagner sein ganzes Leben gekämpft und diese überaus tapfer ertragen hat.

 

Zunächst räumte er mit dem Vorurteil auf, dass Wagner ein labiler, psychisch kranker Mann war. Das passe nicht zu dem enormen Tagespensum, das Wagner täglich leistete, obwohl er mit so vielen körperlichen Beschwerden tagtäglich zu kämpfen hatte. Ein labiler Mensch hätte bei diesen Krankheiten aufgegeben.

 

Bereits mit 28 Jahren, als er seine erste Stelle als Musikdirektor in Bad Lauchstädt inne hatte, erwachte er eines Morgens mit einem roten Gesicht und einer stark geschwollenen Nase. Ein eilends herbeigerufener Arzt diagnostizierte Gesichtsrose, die mit Eibischtee und Umschlägen behandelt wurde. Interessanterweise ist es so, dass es bis heute wenig Heilmittel gegen diese genetisch determinierte Krankheit gibt. Die Hautekzeme breiteten sich über seinen ganzen Körper aus und juckten – Tag für Tag. Deshalb hüllte er sich besonders gern in Seide und Samt, diese Materialen waren besser zu ertragen und kühlten. Wolle ertragen die Patienten nicht auf ihrer Haut.

 

Dennoch arbeitete er mit eiserner Disziplin, er dichtete, komponierte, schrieb Briefe – und zwar gehaltvolle Briefe – er philosophierte, reiste usw.

 

Aber er litt nicht „nur“ unter Hautproblemen! Er litt unter einer weiteren genetisch bedingten Krankheit, dem sog. Reizdarmsyndrom. Diese Krankheit geht einher mit Bauchweh, Blähungen und häufigem Harndrang (30 x am Tag). Diese Krankheit ereilte ihn nach dem eiskalten Winter in Paris 1840, als er keinen Erfolg, kein Geld und keine warme Wohnung hatte.

 

Er musste strenge Diät halten, z. B. machte er immer wieder sog. „Wasserkuren“, 9 Wochen durfte er nur Wasser trinken und wenig Brot essen und musste täglich mehrmals kalte Bäder über sich ergehen lassen. Dennoch komponierte er und arbeitete fleißig den ganzen Tag.

 

Wenn Sie jetzt der Meinung sind, dass dies genug Krankheiten sind für eine Person, die lebenslang anhalten und nicht geheilt werden können, dann teilen Sie unsere Auffassung durchaus. Aber ... weit gefehlt. Er hatte immer wieder schwere Gichtanfälle, z. B.  extreme Schwellungen am Großzehengrundgelenk. Er konnte nicht gehen, nicht Klavier spielen, ja nicht einmal eine leichte Bettdecke auf seinen Füßen ertragen. Er musste wieder eine strenge Diät machen: kein Alkohol (insbesondere kein Bier), kein Fleisch. Dennoch arbeitete er konzentriert den ganzen Tag!

 

Das wars? Nein! Seit 1869/70 litt er zusätzlich unter Angina Pectoris. Zu damaliger Zeit gab es kein EKG, keine Laboruntersuchungen. Die Ärzte waren auf die Beschreibung der Beschwerden des Patienten angewiesen. Es gab auch keine Therapie. Lediglich sog. „Hoffmannstropfen“ und Opium konnten seine Schmerzen in der Brust lindern, mit der Folge, dass er benommen war – wie geht das einher mit seiner Arbeit?

 

Letztendlich ist Wagner an einem seiner vielen Herzanfällen gestorben. Noch Tage zuvor, als seine Herzanfälle gehäuft auftraten, hat er mit Hermann Levi und Franz Liszt gearbeitet. Nach dem Parsifal schrieb er die sog. „Jugendsinfonie“, die am Heiligen Abend 1882, also kurz vor seinem Tod, im „La Fenice“ uraufgeführt wurde.

 

Cosima hat eine genaue Krankendatei angelegt, sie umfasst über 2.500 Seiten! Darin sind sämtliche Beschwerden, Therapien, die vielen Ärzte, die Behandlungen genau aufgeführt.

 

Wussten Sie, dass Wagner mehr Musik komponiert hat als manch anderer Komponist? Trotz dieser vielen schrecklichen Krankheiten hat er insgesamt 62 Stunden Musik komponiert! Zum Vergleich, Verdis Opern aneinandergereiht geben 48 Stunden Musik, Puccini – 22!

 

Angesichts dieser vielen Beschwerden, die Wagner sein ganzes Leben mit großer Geduld und Tapferkeit ertragen hat, gewinnt das Werk Wagners noch einmal an Größe!

 

Als ich an diesem Abend im Fernsehen die Übertragung des Parsifal aus dem Großen Festspielhaus in Salzburg hörte, fragte ich mich bei den Szenen mit Amfortas, ob Wagner auch um seine Erlösung gefleht hat.

 

 

Viola Lachenmann

 

 

18.-22. Mai, Leipzig

Leipzig


Internationaler Richard Wagner Kongress 2013, ein Bericht von Frau Viola Lachenmann:

 

Richard Wagner ist am 22. Mai 1813 geboren und nie gestorben.


Diese Worte von Marcel Prawy können wir nur bestätigen nach 10 Tagen, die wir im Wagner-Geburtstagsrausch in Leipzig und Bayreuth verbrachten. Schon am Vorabend des Internationalen Richard-Wagner-Kongresses hörten wir im Gewandhaus den „Ring ohne Worte“ mit dem Gewandhausorchester unter der Leitung von Ulf Schirmer. An der Stirnseite des großen Saales prangt in großen Lettern ein Spruch Senecas: „Res severa (est) verum gaudium“. Passt dieser Spruch nicht wunderbar zu Wagners Werk?

 

Am 18. Mai begann offiziell der Internationale Richard Wagner Kongress. Wir wohnten um 15 h in der Thomaskirche der jeden Samstag stattfindenden Motette der Thomaner bei, was in jedem Fall schon ein Ereignis für sich ist. Danach eröffnete Frau Prof. Märtson, die Präsidentin des IRWV den Kongress mit den enthusiastischen Worten: „Der Kongress ist eröffnet – the congress is openend – le congress est ouvert! offiziell den Kongress.

 

Auf dem anschließend stattfindenden Empfang in der Oper Leipzig war für die Teilnehmer des Kongresses ein reichhaltiges Buffet angerichtet, wir konnten uns satt essen, ausführlich trinken, Bekannte und Freunde wieder treffen und wurden von der sehr sympathischen Operndirektorin begrüßt. Anschließend erfreuten wir uns an einer wirklich gelungenen Aufführung des Rheingold. Der Ring wird in Leipzig im kommenden Jahr fortgesetzt.

 

Das ganze erste Wochenende war Leipzig übrigens voller schwarz gekleideter Menschen, es fand zeitgleich das weltgrößte Wave Gotic Treffen statt. Wir konnten zum Teil wunderschöne Kostüme bewundern, wenn auch schwarz, war es ein „buntes“ Bild in der Stadt. Die Oper Leipzig hatte für die Teilnehmer des Treffens jeweils ein Kartenkontingent bereit gestellt, wovon viele Gebrauch machten. Eine schöne Geste der Oper. Vielleicht wurde der eine oder andere ja vom Wagner Virus infiziert?

 

Am folgenden Vormittag hatten wir Gelegenheit, Nike Wagner kennen zu lernen, die im Gewandhaus eine überaus interessante Lesung in zwei Teilen über die Beziehung Wagners zu Beethoven und zu Franz Liszt darbot, dazwischen spielte Rolf-Dieter Arens Werke von Bach, Beethoven, Liszt und Wagner – passend zur Lesung. Eine äußerst gelungene Veranstaltung.

 

Am Abend wurde in der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ gezeigt. Enttäuscht wurden wir, weil Wolfgang Brendel, den ich als Sachs besonders schätze, wegen Krankheit die Partie nicht singen konnte. Jan-Hendrik Rootering, der dankenswerter Weise kurzfristig eingesprungen ist, hat sich aber achtbar geschlagen, wobei die Inszenierung langweilig ist und erst ganz am Schluss an Fahrt aufnimmt – allerdings hat der Regisseur Katharina Wagners Bayreuther Inszenierung erheblich akgekupfert!

 

In den folgenden Tagen hörten wir den Parsifal – zu unserer großen Freude mit Stefan Vinke als Parsifal, er war – natürlich – ganz große Klasse! Besonders gefallen haben uns „Die Feen“, opulent und sehr gut inszeniert und gespielt. Sie werden in Bayreuth ebenfalls gespielt, Sie sollten hingehen!

 

Als krönenden Abschluss hörten wir „unseren“ Stefan Vinke als Rienzi – eine mörderische Partie, die Vinke großartig meisterte – sein Gebet im letzten Akt war zum Niederknien schön gesungen, er erhielt dafür langen und begeisterten Szenenapplaus.

 

Wenn man die szenische Darstellung der fünf von uns in Leipzig gesehenen Aufführungen vergleicht, muss man doch geschockt sein, wie viel Nichtssagendes ausgerechnet im Wagner-Jahr geboten wird. Statt das Jubiläum zu nutzen und die Modernität und Aktualität von Wagners Werk herauszustellen, beschränkt man sich auf ein Erzählen der Geschichte. Natürlich nicht nur in Leipzig, aber im direkten Vergleich traf es den Zuschauer umso härter. Dies betraf insbesondere den Parsifal, der nicht einmal mehr als Inszenierung bezeichnet werden kann, da er die Sänger ohne jede Personenführung mit verschiedenen Lichtstimmungen auf die Bühne stellte. Im Rienzi wurde die Titelpartie hauptsächlich auf dem Souffleurkasten gesungen. Jedoch gab es auch einen Lichtblick: „Die Feen“ boten großes Theater! Die Inszenierung ist clever, spritzig, interpretierend, klar erzählend, aber auch opulent ausgestattet und stets mit einer dezenten Ironie. Das ganze Werk steht völlig zu Unrecht im Schatten – die Aufführung bewies, dass es sich lohnt, die Oper öfters szenisch aufzuführen!

 

Natürlich fuhren wir am Geburtstag des Meisters am 22. Mai nach Bayreuth zum Geburtstagskonzert im Festspielhaus, das uns unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann sehr begeisterte, obwohl ich in der Galerie hinter einer Säule saß! Zuvor wohnte ich allerdings in Leipzig der Enthüllung des Wagner Denkmals von Stephan Balkenhol im strömenden Regen und anschließend am Festakt der Oper zum 200. Geburtstag in der Oper teil. Es wurden einige Reden gehalten, u. a. vom OB der Stadt Leipzig, und Thomas De Maizière. Katharina Wagner fasste sich zu kurz – was dazu führte, dass der Chor nicht rechtzeitig fertig war und wir das Vorspiel zum dritten Aufzug Lohengrin zweimal genießen konnten. Es wurden dann zwei Preise verliehen, nämlich  an Professor Dieckmann und an den  jungen israelischen Pianisten Ammiel Bushakevitz, der sich am Ende seiner Ausführungen mit den bewegenden Worten „Als Jude und als Mitmensch: Danke Leipzig, Danke Richard Wagner!“ – für den Preis bedankte.

 

Zurück im Festspielhaus: In der Pause bin ich Stephen Fry begegnet, er kam direkt auf mich zu – ich war völlig hingerissen, konnte ihn aber leider nicht erwischen wegen eines Autogramms. Die anschließend stattfindende Geburtstagsfeier in der Stadthalle hat uns weniger überzeugt – viel Geld für sozusagen nichts – aber wir hörten Klaus Florian Vogt! Unter einer Party stelle ich mir allerdings etwas anderes vor.

 

Den Donnertag brauchte ich zum Ausruhen – man hätte aber abends ein wunderbares Ballett in der Oper anschauen können oder in der Nicolaikirche ein Orgelkonzert hören – leider ohne uns, wir waren geplättet. Auch ohne uns fand die große Wagner Gala anlässlich der Verleihung der Europäischen Kulturpreise statt.

 

Matthias besuchte mit großem Interesse und großer Begeisterung die wissenschaftliche Konferenz „Richard Wagner – Persönlichkeit, Werk und Wirkung“, die begleitend die ganze Woche im Grassi Museum stattfand. Er begegnete vielen Wagner-Spezialisten, von denen in den nächsten Jahren sicherlich mehrere bei uns Vorträge halten werden, lassen Sie sich überraschen!

 

Leider verging auch diese Woche im Wagner-Rausch viel zu schnell. Am Sonntag genehmigten wir uns noch den alten Stummfilm über R.W. von 1913 – live am Klavier begleitet - eine großartige Leistung des Pianisten. Dann ging es unwiderruflich zurück – angefüllt mit wunderbaren Erlebnissen, Vorträgen, Empfängen, guten Gesprächen. Ich gratuliere dem Richard Wagner Verband Leipzig unter seinem Vorsitzenden Thomas Krakow für die enorme Leistung, eine derart spannende Woche auf die Beine zu stellen, die Organisation war erstklassig (akd congress & events).

 

Im nächsten Jahr findet der Internationale Richard Wagner Kongress übrigens in Graz statt mit dem berühmten Finale des „Ring Arward“ – eine der wenigen Gelegenheiten für angehende Regisseure und Dramaturgen, an Wettbewerben teilzunehmen, zu lernen und ihr Können zu zeigen. Wir sind natürlich dabei, Sie auch?

 

Danke Richard für deine Musik und dass du nie gestorben bist!

Viola Lachenmann

 

Der Bericht spiegelt die persönliche Einschätzung des Verfassers bezüglich der Wagner-Tage wider und nicht die Ansicht des RWV.

 

Sommer 2013

Bayreuth


Von den Bayreuther Festpielen 2013, ein Bericht von Frau Viola Lachenmann:

 

Bayreuth - und kein Ende!


Die Jubiläumsfestspiele standen ganz im Zeichen des neuen „Ring des Nibelungen“. Wir sind sehr glücklich, dass wir den Premieren-Ring in der umstrittenen Regie von Frank Castorf sehen und hören konnten.

 

Um es vorweg zu nehmen – wir waren begeistert! Mehr als 15 Stunden ausgesprochen spannendes Musiktheater. Bitte lesen Sie die Kritiken von Matthias in Kürze auf unserer Website – ich kann mich diesen Worten nur anschließen und möchte mich nicht wiederholen. Alle, die es „klassisch“ und „werktreu“ lieben, sind mit dieser Regiearbeit sicher nicht einverstanden, wie das lange und donnernde Buh-Geschrei nach der Götterdämmerung zeigte – allerdings gab es auch viele Bravos, die jedoch fast untergingen in dem allgemeinen Tumult, muss man schon sagen, denn viele Zuhörer hatten in der 2. Pause der Götterdämmerung Trillerpfeifen gekauft, die vor dem Festspielhaus verkauft wurden, für 1 Euro! Es ging zu wie auf dem Fußballplatz. Nichts gegen Fußball, aber ich bin der Auffassung, dass Festspielbesucher in Bayreuth ein gewisses Niveau wahren sollten, ich fand es beschämend.

 

Herr Castorf hat ein Kunstwerk geschaffen. Auch wenn dieses konservativen Wagnerianern nicht gefällt, gibt es noch lange nicht das Recht, darüber in dieser Art und Weise zu richten. Ich kann sagen, ein Kunstwerk gefällt mir oder es gefällt mir nicht, aber ich kann mir nicht anmaßen zu behaupten, der Künstler habe schlechte Kunst gemacht. Ich stimme Dr. Friedrich  zu, der in seinen hervorragenden inszenierungsbezogenen Einführungsvorträgen auf dieses Problem sehr fundiert einging. Er vertritt die Auffassung, dass Kunst als Theater nicht fragen darf, was das Publikum sehen möchte. Wer ist „das Publikum“? fragte er. Der Massengeschmack? Dann ist die „Bildzeitung“ das Maß der Dinge. Das, was auf der Bühne geschieht, in diesem Moment, ist Kunst, in der Interaktion mit dem Publikum. Muss die Bühne das zeigen, was im Orchester gespielt wird? Nein! Lassen wir uns doch auf ein Kunstwerk ein – wenn es uns nicht gefällt, dann sehen wir den „Ring“ in einem anderen Opernhaus – es gibt genügend Möglichkeiten heutzutage. Ich wette aber, dass diejenigen, die am lautesten trillerten und buhten, 2014 wieder in Bayreuth sein und wieder schimpfen werden – und anderen den Sitzplatz wegnehmen.

 

Jenseits des Rings vergingen die Tage wieder wie im Fluge. Besonders gut haben uns die kleinen „Wagners“ von Ottmar Hörl gefallen, die den Hügel bevölkerten (ich konnten nicht umhin, einen zu erwerben, der uns jetzt in meiner Kanzlei als Kunstwerk jeden Tag erfreut).

 

Wir konnten dem historischen Ereignis der Grundsteinlegung des neuen Wagnermuseums beiwohnen. Die Zuhörer saßen in der Tiefe der Baugrube und verfolgten nach Reden u. a. von Staatsminister Dr. Heubisch, der Bayreuther Oberbürgermeisterin und Dr. Sven Friedrich, wie eine Kiste mit heutigen Dokumenten einbetoniert wurden – wer wird diese wohl eines Tages finden? Die Baustelle um den Museumsbau ist riesig und trostlos – ich persönlich bedauere immer noch, dass nicht die sog. „kleine Lösung“ gewählt wurde, ich habe den Park um Haus Wahnfried und den Frieden unter den wunderbaren Bäumen immer sehr genossen.

 

Neben den Aufführung im Festspielhaus gab es in diesem Jahr sehr interessante Ausstellungen, z. B. im Neuen Rathaus „Liebe und Glauben – Thomas Mann und Richard Wagner“ und in Haus Wahnfried „Wanderausstellung Götterdämmerung – König Ludwig II. und seine Zeit“. Ganz besonders begeistert hat uns das Trauerspiel „Leubald“, das im Naturtheater von „Sanspareil“ aufgeführt wurde – der 13jährige Wagner schreibt ein spannendes Theaterstück, das schon seinen Dichterstil und seine Themen beinhaltet – ein Erlebnis! Der Weg zurück durch den dunklen Wald zum Parkplatz nach dem gruseligen Gangsterstück hat das Erlebnis abgerundet. Sollten Sie einmal in der Gegend sein – vielleicht im nächsten Jahr? – dann gehen Sie nach Sanspareil, auch ohne Theater mit Burg und Felsenwaldweg wunderschön. Wilhelmine sei Dank!

 

Ein außergewöhnlicher Wagner-Abend fand am 2. August in der Bayreuther Schlosskirche mit Wagners dichterischem Entwurf „Jesus von Nazareth“ statt, der zu meinem Erstaunen nur sehr spärlich besucht war – sehr zu unrecht. Es war faszinierend, Wagners Revolutionsstück zu erleben mit den Rezitationen aus der Bibel und Textstellen von R. W. – untermalt mit Orgelsätzen von Franz Liszt, Kar-Elert und Erwin Horn aus dem Umkreis Parsifal und dem Tode R. W.

 

Ganz besonders liebe ich auch Lesungen mit dem Berliner Schauspieler Jürgen Schatz, der als ausgesprochener Kenner der Werke Thomas Manns dessen „Ring-Aufsatz“ von 1938 im Rokokosaal des Klavierhauses Steingräber & Söhne las. Ich kenne keinen besseren „Vorleser“, er fasziniert mich in jedem Jahr aufs Neue.

 

Sie sehen – jenseits der Aufführungen im Festspielhaus, für die es in diesem Jahr besonders schwer war, Karten zu bekommen (dennoch konnten wir einigen Mitgliedern noch ganz kurzfristig Karten besorgen!) gibt es viele interessante Möglichkeiten, sich die Zeit „zu vertreiben“. Vergessen möchte ich natürlich nicht unsere Ausflüge in die Fränkische Schweiz, wir haben wieder neue Orte und Gegenden kennen gelernt. So konnten wir beispielsweise in „Beringersmühle“ im Gasthof Beringersmühle ein Foto bewundern von Siegfried Wagner, der in diesem Gasthof gerne gegessen hat. Wunderschön ist das Tal der Wiesent, die sich durch das Tal schlängelt, vorbei an hohen wunderschönen Felsenformationen. Natürlich besuchten wir auch unsere altbekannten Biergärten in Büchenbach, Lindenhardt, Schederndorf usw.

 

Ganz wichtig sind natürlich die interessanten Tage mit den 250 Stipendiaten aus der ganzen Welt. Sie wurden am 6. August in der Stadthalle von ihren Vorsitzenden begrüßt, viele glückliche junge Musik- und Bühnenschaffende holten ihre Unterlagen ab. Die offizielle Begrüßung durch den Stipendienvorsitzenden Dr. Stefan Specht, die Oberbürgermeisterin und Frau Prof. Märtson fand dann am nächsten Morgen um 9. 30 h im Garten des Restaurants „Wallhall-Lounge“ statt, anschließend bekamen die jungen Leute eine ausführliche Führung durch das Festspielhaus – wir konnten auf der Bühne schon die Requisiten des „Tannhäuser“  (ja nichts anfassen!) und im Hintergrund die besonders hohen Teile der Bühnenbilder von „Rheingold“, „Walküre“ und „Siegfried“ bewundern – wie spannend!

 

Die Stipendiaten durften Tannhäuser, Lohengrin und das Rheingold sehen, sie wurden im Rathaus begrüßt, hatten eine Stadtführung und vieles mehr. Also erfüllte Tage für die jungen Künstler, die mit einem Empfang im Festspielrestaurant (es gab leckeres Essen!) zu Ende gingen mit einem umjubelten Besuch von Kirill Petrenko, dem Dirigenten des „Ring“. Die jungen Künstler verabschiedeten sich mit donnerndem Applaus von Dr. Stefan Specht, dem Geschäftsführer der Stipendienstiftung. Unsere beiden Stipendiaten, Brigitta Ambs und Markus Tatzig bedankten sich herzlich bei mir und unseren Mitgliedern, die Ihnen diese außergewöhnlichen Tage ermöglichten – sie werden an unserer Adventsmatinee am 8. Dezember nicht nur musizieren, sondern auch von ihren Eindrücken erzählen.

 

Dann waren die schönsten Tage des Jahres vorbei – wir mussten unsere Koffer packen und heimfahren – aber: Nach Bayreuth ist vor Bayreuth – es gibt sicher ein Wiedersehen 2014.

 

Viola Lachenmann

 

 

29.11. - 2.12.2013

 

Reise nach Venedig

 

zu den Giornate Wagneriane mit Opernbesuch im Opernhaus "La Fenice" - Gemeinsames Projekt Burmann-Reisen und RWV Ulm/Neu-Ulm e.V.

 

→ Anbei finden Sie den Link auf den Bericht von Herrn Pfarrer Burmann.

 

Der Verband bedankt sich nochmals ausdrücklich bei Herrn Burmann.