Bayreuther Festspiele 2011

 

Bayreuther Festspiele 2011

 

Ein Bericht von Viola Lachenmann

 

 

Das Interesse an der Neuinszenierung des „Tannhäuser“ in der Regie von Sebastian Baumgarten war groß. Wir waren sehr gespannt, zumal wir zum ersten Mal Premierenkarten erhalten hatten. Das Wetter war leider sehr kühl, sodass besonders die Damen in ihrer zum Teil freizügigen Abendrobe frieren mussten – die Herren waren aber gar nicht so traurig, mussten sie doch endlich einmal nicht schwitzen!

 

Die Vorstellung hat uns nicht überzeugt. Die Regie war weder provokant noch erzählte sie uns etwas Neues. Wären die Sänger richtig gut oder ein voller Orchesterklang zu hören gewesen, hätten wir die Augen schließen und den außergewöhnlichen Klang des Festspielhauses genießen können. Aber auch mit der Musik waren wir nicht wirklich glücklich. So passierte es, dass in der Pausen nur kurz über die Aufführung geredet wurde.

 

Aber – Bayreuth ist Bayreuth – wir genossen es, bei der Premiere zu sein, die vielen interessanten Begegnungen und Gespräche, die Bayreuther Festspielwürste, das gute Fränkische Bier – und hatten viel Spaß auf dem anschließenden Staatsempfang im Hof des Neuen Schlosses.

 

Ohne „Ring“ fehlt etwas in Bayreuth, muss ich sagen, ich habe ihn vermisst. Dafür hörten wir den wundervollen Lohengrin in der spannenden Inszenierung von Hans Neuenfels mit einem außerordentlichen Sängerensemble, allen voran natürlich Klaus Florian Vogt in der Titelpartie. Als er vor dem Vorhang stand, war endlich einmal wieder das richtige „Bayreuth-Feeling“ zu genießen. Wir klatschten, trampelten (wie herrlich in dem alten Holzhaus), schrieen Bravo – Herr Vogt nahm den rasenden Applaus erst nach einigen Minuten richtig wahr, so hatte er sich in seine Rolle hinein gesungen.

 

Auch der Parsifal begeisterte uns wieder, die Inszenierung von Stefan Herheim ist so vielfältig, dass man bei jedem Schauen wieder Neues entdeckt und manches plötzlich verständlich wird.

 

Die Inszenierung von „Tristan und Isolde“ von Christoph Marthaler ist nicht mein Geschmack, aber die Musik! Sie trägt einen hinweg – passiert auf der Bühne nicht viel, kann man sich ihr noch intensiver widmen.

 

Die Inszenierung der Meistersinger von Katharina Wagner – uns gefällt sie. Sie ist spannend und sehr nah am Text. Dennoch musste die arme Katharina wieder viele „Buhs“ über sich ergehen lassen.

 

Aber –ist Wagner nicht deshalb so spannend und immer modern, weil er so viele Deutungen zulässt? In Bayreuth „gilts der Kunst“ – dies sagte schon Wieland Wagner – und so ist es geblieben. Nicht Eitelkeiten (Dirigenten sind unter dem Deckel, Sänger verbeugen sind in der Regel nicht nach jedem Aufzug), sind hier wichtig. Die Inszenierungen sollen nicht unbedingt „gefallen“, sie sollen zum Denken anregen und das Sujet in der heutigen Zeit erlebbar machen, nicht in der Zeit unserer Eltern und Großeltern. Lesen Sie bitte das überaus interessante Interview mit Annette Dasch, der herausragenden „Elsa“ im Lohengrin.

http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/1305446/details_8.htm

 

Von 9. – 13. August kamen 250 Stipendiaten aus aller Welt nach Bayreuth, natürlich auch unser Herr Shim. Es waren interessante Tage, es hat Spaß gemacht, mit den jungen Künstlern ins Gespräch zu kommen, sie auf ihrer Entdeckungsreise durch Bayreuth und Wagners Opern zu begleiten.

 

Die Stipendiaten wurden bei einem Stehempfang bei sehr kühlen Temperaturen vor dem Restaurant „Walhall“ oberhalb des Festspielhauses von Herrn Dr. Stefan Specht, dem Geschäftsführer der Richard-Wagner-Stipendienstiftung und Frau Prof. Märtson, der Vorsitzenden des Internationalen Richard-Wagner-Verbands, begrüßt, natürlich wurden die jungen Leute von ihren Vorsitzenden begleitet und ebenfalls herzlich willkommen geheißen. Bei hervorragendem Sekt und anderen Getränken kamen die jungen Künstler miteinander ins Gespräch. Zum Teil kannten sich die Künstler aus Hochschule oder Oper und freuten sich, sich zu begegnen.

 

Danach ging es zu einer Führung durch das Festspielhaus. Wir konnten bei offener Bühne schon das Bühnenbild des 1. Aufzugs von „Tristan und Isolde“ erhaschen, durften den mystischen Graben erkunden und sogar auf dem Dirigentenstuhl sitzen, auf dem schon Richard Wagner gesessen hat. Es wurde viel erzählt über das Festspielhaus und die Festspiele.

 

Am Nachmittag dann „Tristan und Isolde“.

 

Am 11. August war spielfreier Tag, sodass die Stipendiaten zu einer Stadtführung eingeladen wurden. Am Abend fand das Stipendiatenkonzert in der Bayreuther Stadthalle statt, an dem ausgewählte Künstler ihr Können darboten. Danach wurde dann beim sog. „Stipendiatenabend“ gefeiert mit leckerem Essen. Im Verlauf des Abends haben noch viele Stipendiaten vorgesungen, gespielt und die Zuhörer erfreut. Auch Herr Shim wagte sich auf die Bühne, nachdem sich einer der Pianisten spontan bereit erklärt hatte, ihn zu begleiten, und schmetterte „Dein ist mein ganzes Herz“ und wurde mit donnerndem Applaus belohnt.

 

An den folgenden beiden Tagen konnten die jungen Künstler entweder den inszenierungsbezogenen Vortrag von Dr. Sven Friedrich auf der Probebühne des Festspielhauses hören, in kleinerem Rahmen die anspruchsvollen Vorträge von Roland Bauer oder aber zu den schon legendären Einführungsvorträgen von Stefan Mickisch am Klavier gehen. Am Abend sahen die Künstler dann die Meistersinger und am letzten Abend den Tannhäuser, den die jungen Leute gar nicht so schlecht fanden!

 

Nach dem Tannhäuser wurden die Stipendiaten im Restaurant des Festspielhauses verabschiedet, es gab viel guten Wein zu trinken und Butterbrezeln zu essen, ein schöner Ausklang der erfüllten Tage. Nur ungern ließen wir die jungen Leute wieder ziehen.

 

Herr Shim bedankte sich bei uns – also bei allen Mitgliedern – die ihm das Stipendium ermöglichten, es wird auf seiner Karriereleiter ein großer Pluspunkt sein. Er hat die Tage sehr genossen, wenn sie auch sehr anstrengend waren – wie er erschöpft, aber glücklich meinte.

 

Während unserer Tage konnten wir einige Mitglieder unseres Verbands begrüßen, die Karten bei unserer Mitgliederversammlung gewinnen konnten oder das Glück hatten, auf andere Weise an Karten zu kommen. Alle waren begeistert von der einzigartigen Atmosphäre in Bayreuth und der außergewöhnlichen Akustik des Festspielhauses.

 

Unsere Tage neigten sich dem Ende zu, die herrliche Zeit war wie immer viel zu schnell vorbei gegangen. Den Abschluss bildete das Public Viewing auf dem Festplatz in Bayreuth, wir konnten Annette Dasch und Klaus Florian Vogt noch einmal erleben und sie für ihre außergewöhnliche Leistung nur bewundern. Die Freude war etwas getrübt durch den heftigen Regen während des gesamten zweiten Akts – aber wir ließen uns natürlich nicht vertreiben. Ab der zweiten Pause war es wieder schön, die meisten der 20.000 Zuhörer waren auch geblieben oder wieder gekommen – aber wie sah der Platz aus – durch den Regen und den zeitweise heftigen Wind war er geradezu verwüstet, was aber unsere Freude nicht trübte, wir genossen den 3. Akt sehr. Nach der Vorstellung begann das Warten auf die Künstler, die sich vom Festspielhaus aufmachten, ihre Fans auf dem Festspielplatz zu begrüßen. Die ca. 45 Minuten wurden verkürzt durch eine Diskussionsrunde, die von Axel Brüggemann geleitet wurde. Katharina Wagner bedankte sich bei den Zuhörern, dass sie trotz des starken Regens geblieben waren. Außerdem waren der Oberbürgermeister und seine Gattin anwesend und Herr Michael Roßnagel von der Firma Siemens, dem Hauptsponsor dieser großartigen Veranstaltung.

 

Dann, endlich, wurden wir für unser Warten belohnt, die Solisten waren vom Hügel herab geeilt und wurden von uns stürmisch begrüßt und gefeiert. Es gab Autogramme, die Künstler waren auch bereit, mit den Fans am Zaun zu sprechen – ein schöner Ausklang.

 

 


 

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