Caruso oder Wunderlich?

Ein Bericht von Jürgen Kuhnt:

 

Diese Frage stellten sich die zahlreich erschienenen Zuhörer am 19. Februar 2011 im Café im Kornhauskeller, die den diesjährigen Stipendiaten des RWV Ulm/Neu-Ulm, den 29jährigen  Youn-Seong Shim kennen lernen wollten.

 

Bevor sich Frau Lachenmann und Herr Sommer mit Herrn Shim unterhielten, sang er als erste Kostprobe seines Könnens die „Bildnisarie“ aus Mozarts Zauberflöte, begleitet am Klavier von unserem Mitglied Georg Vallant. Obwohl Herr Shim erst eine starke Grippe hinter sich hatte, sang er lupenrein und voller Hingabe, sodass sie die Anwesenden sich fragten, wie er erst wohl singt, wenn er ganz gesund ist.

 

Herr Shim, der aus Süd-Korea stammt, studierte zunächst an der Staatlichen Universität Kyungpook in Daegu und wechselte nach seinem Abschluss 2006 zu Prof Swaantje Weimer an die Musikhochschule in Trossingen. Er habe kein Wort deutsch gesprochen, sodass der Beginn sehr schwer gewesen sei. Seine Mutter sei Musikerin gewesen und so sei schon früh sein Wunsch gereift, Sänger zu werden.

 

Derzeit ist Herr Shim Mitglied des Opernstudios in Stuttgart und singt dort den „Arturo“ in der Lucia di Lammermoor von Donizetti.

 

Daneben studiert Herr Shim Alte Musik. Herr Shim: „Es ist sehr schwer, am Vormittag Oper zu singen und am Nachmittag zur Alten Musik zu wechseln. Ich liebe dieses Genre aber sehr.“

 

Danach befragt, wie sich die europäische Musik von der in seiner Heimat unterscheide, erklärte uns Herr Shim, dass es in der Asiatischen Musik nur 5 Töne gäbe, daher klinge die Musik sehr traurig.

 

Danach gab es weiteren Gesang, die Arie des Nemorino aus dem „Liebestrank“ von Donizetti.

 

Natürlich fragten wir Herrn Shim, ob er sich auch schon einmal mit Wagner beschäftigt habe. Er meinte jedoch, dass er für Heldentenorpartien noch zu jung sei. Und wie sieht es mit Richard Strauß aus? Herr Shim antwortete, dass er sich mit dem Rosenkavalier bereits auf italienisch beschäftigt habe.

 

Herr Shim sang uns dann das „Wolgalied“ aus dem Zarewitsch, bei dem alle Zuhörer dahinschmolzen, so innig wurde uns dieses Lied vorgetragen, einfühlsam begleitet von Herrn Vallant.

 

Nach der Operette befragt, meinte Herr Shim, es sei für ihn wegen der Sprache sehr schwierig, weil neben dem Gesang viel Text im Dialog vorkomme und er in der deutschen Sprache noch nicht so firm sei.

 

Eine besondere Liebe verbindet Herr Shim auch zur geistlichen Musik, er habe bereits viele Oratorien gesungen, insbesondere die Matthäus Passion, aber auch viele andere.

 

Im September dieses Jahres beginnt für Herrn Shim ein Engagement an der Oper in Münster, wo er in „La Traviata“ und „Romeo und Julia“ singen werde.

 

Heimweh habe er nicht, er sei seit 4 Jahre nicht mehr zu Hause gewesen, er habe keine Unterstützung durch seine Familie. Er habe aber eine „deutsche Mutter“ in Trossingen.

 

Mit dem innig-zarten, kosmisch-ausgreifenden Lied „Mondnacht: Es war als hätt' der Himmel“ aus Schumanns Liederkreis Op.39, zeigte uns Herr Shim eindrucksvoll, dass er auch ein wunderbarer Liedsänger ist.

 

Der lang anhaltende und herzliche Applaus des Publikums animierte Herrn Shim, uns noch eine Zugabe zu singen, nämlich „Dein ist mein ganzes Herz“ aus der Operette „Das Land des Lächelns“.

 

Wir bedanken uns auf diesem Wege nochmals bei Herrn Shim für die interessanten und  erfrischenden 90 Minuten und wünschen ihm für seine zukünftige Laufbahn ganz viel Glück und Erfolg. Wir freuen uns, dass unser Verband zu seinem Erfolg einen Beitrag leisten kann.

 

Wer Herrn Shim „live“ erleben möchte, hat dazu am 17. April 2011 in Ulm Gelegenheit, wenn er beim Konzert der Ulmer Kantorei in der C-Dur Messe und in der Passionsmesse Christus am Ölberge von Ludwig van Beethoven singen wird. (Oder gleich nach Stuttgart, um ihn als Arturo in der Lucia zu hören.)

 

 

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