Winterstürme wichen dem Wonnemond

Ein Bericht von Viola Lachenmann


Am 31. Januar 2010 hatten wir die große Freude, Stefan Vinke, einen der derzeit besten Heldentenöre, als Gast im Foyer des Theaters Ulm begrüßen zu dürfen. Operndirektor Matthias Kaiser und ich unterhielten uns mit dem „intellektuellen und reflektierenden Künstler über 2 Stunden, zudem sang Herr Vinke mit einer wahrhaftigen Heldentenorstimme, dass das Foyer erbebte“ (Zitat: Jürgen Kanold in der Südwestpresse vom 02. 02. 10).


Tatsächlich waren Winter und Kälte vergessen, wenn der sympathische Künstler erzählte, dass er in der Nacht vor einem „Tristan“ nicht schlafen könne, weil er sich Sorgen mache wegen seiner Konstitution oder wenn er über die schwierig zu lernenden Texte der Wagnerschen Opern spricht und Stabreime rezitiert. Angefangen hat Stefan Vinke als examinierter Kirchenmusiker, der eigentlich zur Oper eher „getragen“ werden musste – er war mit 26 Jahren zum ersten Mal als Zuhörer in einer Oper!

 

Besonders glückliche Gesichter zeigten die Zuhörer selbstverständlich, wenn Herr Vinke sein Können als Sänger zeigte, begleitet vom Korrepetitor des Theaters Ulm, Igor Begetov. Vinke beglückte uns mit den Arien des Andrea Cheniér, des Don José, und begeisterte mit der Partie des Siegmund aus der „Walküre“ – Winterstürme wichen dem Wonnemond - und als Abschluss mit dem Preislied des Walther von Stolzing aus den Meistersingern. Mit dem Walther von Stolzing wird Stefan Vinke im Oktober 2010 an der Oper in Leipzig debütieren – damit hat er alle Heldentenorrollen des Wagnerfachs gesungen und im Repertoire.


Nur ungern verabschiedeten wir uns von unserem berühmten Gast, der versprach, gerne wieder zu kommen und über sich als Oratoriensänger zu erzählen. Wir bedanken uns ganz herzlich über seinen Besuch und freuen uns sehr, wenn er einmal wieder kommt! Wer Stefan Vinke auf der Opernbühne erleben möchte, kann ihn am 6. März als Lohengrin an der Oper Leipzig hören, Ende April an der Deutschen Oper in Berlin als jungen Siegfried, oder im Juni als Siegmund, Siegfried im Siegfried und in der Götterdämmerung) im Kölner Ring (der sehr zu empfehlen ist – für mich eine der besten Inszenierungen des Ring, die kenne).


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