Erlebnisreiche Opernreise nach Meiningen

Ein Reisebericht von Dr. Jürgen Ambrosius

Bei strahlendem Frühlingswetter startete der Richard-Wagner-Verband Ulm/Neu-Ulm am 17. April nach Südthüringen, 15 Teilnehmer, darunter auch Gäste aus Berlin und München. Ein Besuch des traditionsreichen Meininger Staatstheaters mit einer Aufführung der Oper »Tannhäuser« stand dabei gleich aus mehreren Gründen im Mittelpunkt unseres Interesses. In Meiningen wollten wir einen Ort mit vielfältigen Beziehungen zur Musik Richard Wagners und Verbindungen zu den Anfängen der Bayreuther Festspiele kennen lernen. Zugleich freuten wir uns auf die Wiederbegegnung mit dem langjährigen früheren Ulmer Intendanten Ansgar Haag und seinem Operndirektor Dr. Klaus Rak, heute beide in gleicher Eigenschaft in Meiningen tätig.

Bevor es zu der Begegnung mit den Bekannten aus Ulmer Zeit und ihrer neuen Wirkungsstätte kam, meldeten wir uns erst einmal im »Alten Knasthaus Fronfeste« zum »Strafantritt«. Nach Aushändigung der Zellenschlüssel konnten wir uns davon überzeugen, wie angenehm und originell man den früheren »Ort des Unbehagens« entkernt und für den modernen touristischen »Strafvollzug« umgestaltet hat. Nach einem ersten Gang durch die Altstadt mit prächtigen Fachwerkbauten aus mehreren Jahrhunderten stärkten wir uns im urigen Traditionslokal »Schlundhaus« für den Nachmittag.

Bei unserer Ankunft am Opernhaus wartete Intendant Haag bereits vor dem Theater auf die Ulmer Delegation. Nach einer herzlichen Begrüßung, auch Operndirektor Dr. Rak war inzwischen dazugekommen, ging es in das Theaterfoyer. Hier gaben uns beide Herren einen Einblick nicht nur in die eindrucksvolle Vergangenheit des Meininger Theaters und der berühmten »Meininger Hofkapelle«, sondern auch in den heutigen Theateralltag. So muss das Theatergebäude in den nächsten 18 Monaten wegen Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten geschlossen werden. Der Spielbetrieb wird dann an verschiedenen Spielstätten mit einem anspruchsvollen Programm weitergeführt. Zurzeit verhandelt der Intendant wegen eines erneuten Gastspiels des Meininger Theaters in China, das im November stattfinden soll.

Bei einem Rundgang durch das Theater erinnerten Bilder an frühere Künstler, die den Namen Meiningens als Theater- und Musikstadt geprägt haben. Zu nennen sind Namen wie Hans von Bülow, Max Reger und Richard Strauss, die als Dirigenten der Meininger Hofkapelle hohe Verdienste erworben haben. Vom Ruf des Meininger Theaters zeugt das stolz überlieferte Zitat »Die Meininger kommen!« Mitglieder der Meininger Hofkapelle waren es übrigens, die den Kern des Orchesters der ersten Bayreuther Festspiele bildeten.

Das Südthüringische Staatstheater Meiningen ist heute der größte Arbeitgeber der Stadt. Es genießt in der Bevölkerung hohes Ansehen. Dort ist man stolz auf sein Theater. Die Meininger Hofkapelle ist ein B-Orchester mit 64 Planstellen und das in einer Kleinstadt mit gerade einmal knapp 20.000 Einwohnern. Das Theater zählt jährlich 155.000 Besucher, die von nah und fern zu den Aufführungen kommen. Das Opernensemble ist so ausgestattet, dass es – wie Dr. Rak vor der Opernaufführung betonte – in der Lage ist, den Tannhäuser in allen Partien mit eigenen Kräften zu besetzen. Und wie die singen, davon konnten wir uns in der anschließenden Tannhäuser-Aufführung ein eigenes Bild machen.

Drei Namen in den führenden Rollen überzeugten gleichermaßen in ihrer Rollengestaltung und sängerischen Intensität. Der Tannhäuser Hans-Georg Prieses sang vom ersten Auftritt an mit einem Feuer, das er – man wundert sich – über drei Akte hinweg durchhielt. Großartig und anrührend die von Bettine Kampp gestaltete und gesungene Partie der Elisabeth. Ihnen stand der scheue, wunderbar singende Wolfram von Eschenbach des Koreaners Dae-Hee Shin in nichts nach. Eine beglückende Dreierbesetzung.

In der Pause nach dem ersten Akt überraschte Dr. Rak die Ulmer Gäste mit einem kleinen Sektempfang, der zugleich Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen mit unserem früheren Operndirektor bot.

Unseren Opernbesuch ließen wir mit einem gemeinsamen Abendessen im »Sächsischen Hof« ausklingen. Die Nacht verbrachten wir dann »im Knast«. Am nächsten Morgen – wieder ein Sonnentag – nach Abgabe der Handschellen, sprich Zellenschlüssel, zeigte uns eine kundige Stadtführerin auf einem Rundgang noch einige Kostbarkeiten Meiningens: so die wunderschönen Fachwerkhäuser oder die eindrucksvolle Innenausstattung der noch zu DDR-Zeiten gebauten katholischen Kirche, das Elisabethenschloss und die zum Theater führende Prachtstraße Meiningens.

Wir erinnern uns gerne an erlebnisreiche Stunden in einer traditionsreichen, freundlichen Stadt mit ihrem Theater und unseren alten Ulmer Bekannten, die in Meiningen neue lohnende Aufgaben gefunden haben.

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