6. Internationaler Gesangswettbewerb für Wagnerstimmen

Interessante Tage für die nach Karlsruhe angereisten Mitglieder des RWV Ulm/Neu-Ulm

Vom 8. bis 11. Oktober 2009 fand in Karlsruhe der 6. Gesangswettbewerb für Wagnerstimmen statt. Mit dem Wettbewerb sollen Sängerinnen und Sänger entdeckt werden, die am Ende ihrer Gesangsausbildung bzw. am Beginn ihrer Bühnenkarriere stehen und erwarten lassen, dass sie nach weiterer Stimmreifung und Bühnenerfahrung in das Wagnerfach hineinwachsen können. Beispielsweise sind frühere Preisträger wie Detlef Roth, Mihoko Fujimura und Violeta Urmana heute international gefragte Künstler.

Die Veranstaltung begann am Donnerstag um 17 Uhr im Konzerthaus mit dem Semifinale, für das in einem Vorentscheid während der Bayreuther Festspiele zwölf Kandidatinnen und sechs Kandidaten ausgewählt worden waren. In der hochkarätig besetzten Jury des Gesangswettbewerbes saßen unter dem Vorsitz von Eva Wagner-Pasquier: Prof. Eva Märtson (Präsidentin des Richard-Wagner-Verbandes International) als stellvertretende Vorsitzende, Alessandra Althoff-Pugliese (1. Vorsitzende des Richard-Wagner-Verbandes Venedig), Thomas Brux (stellvertretender Operndirektor des Badisches Staatstheaters Karlsruhe), Kammersängerin Prof. Uta Priew (Staatsoper Berlin), Prof. Andrea Raabe (Prorektorin der Staatlichen Hochschule für Musik Karlsruhe), Prof. Hans-Michael Schneider und Detlef Dietrich (Vorstände des Richard-Wagner-Verbandes Karlsruhe), Achim Thorwald (Generalintendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe) und Kammersänger Roman Trekel (Staatsoper Berlin). Die Jury vergab einen 1. Preis und den Dorothea-Glatt-Förderpreis, der beim diesjährigen Wettbewerb geteilt wurde. Auch das Publikum konnte sich beim Finale für seine Lieblingskandidatin bzw. seinen Lieblingskandidaten entscheiden.

Die Kandidatinnen und Kandidaten wurden beim Semifinale von drei verschiedenen Pianisten am Flügel begleitet und sangen jeweils zwei Opernarien, mindestens eine von beiden aus der Feder Richard Wagners. Sehr beeindruckt haben mich die Arie »Mein Sehnen, mein Wähnen« aus Erich Wolfgangs Korngolds Oper »Die tote Stadt« und die Arie des Rheingrafen vom Stein aus der Oper »Käthchen von Heilbronn« von Carl Reinthaler, die bei mir den Wunsch geweckt hat, diese Oper einmal komplett zu hören. Der Wettbewerb war interessant und spannend. Das direkte Erleben der jungen Sängerinnen und Sänger machte Spaß, lieferte aber auch die Erkenntnis, wie schwer das Singen doch ist. Obwohl alle sehr gut sangen, waren größere Unterschiede erkennbar: in der Textverständlichkeit, im Ausdruck, der Haltung, natürlich auch von der Stimmqualität in der Höhe oder aber im Piano.

Nach einer relativ kurzen Pause, in der lebhaft darüber diskutiert wurde, wer besonders beeindruckt hat und wer wohl weiter kommen werde, wurden die Zuhörer wieder in den Konzertsaal gebeten und die Finalisten bekannt gegeben. Wir freuten uns für die Kandidatinnen und Kandidaten, die es ins Finale geschafft hatten und verabschiedeten uns von den anderen mit großem Applaus.

Mit einem Stehimbiss im 2. Stock des Konzertshauses klang der Abend aus. Bei leckeren belegten Broten und gutem Wein gab es interessanten Gespräche und Diskussionen, ob die Jury wohl die richtige Wahl getroffen habe. Es bot sich auch die Gelegenheit, alte Freunde wieder zu treffen (z. B. vom Internationalen Richard-Wagner-Kongress in Dresden), neue Freundschaften zu schließen oder kontrovers über das gerade Erlebte zu diskutieren. Viel zu spät begaben wir uns in unser Hotel.

Am Freitag hatten die Teilnehmer die Gelegenheit zu einer Stadtführung, eines Besuchs der Staatlichen Hochschule für Musik oder einer Besichtigung des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZMK). Ich habe mich für die Staatliche Hochschule für Musik entschieden. Treffpunkt war für alle am Staatstheater, dort wurden wir mit Bussen zu den jeweiligen Orten gebracht. Die Hochschule für Musik hat mich sehr beeindruckt. Sie ist untergebracht in einem ehemaligen Kloster, heute Schloss Gottesaue. Prof. Michels brachte uns Besuchern die Geschichte des Hauses nahe und führte uns vom Dachgeschoß aus, das eine beeindruckende Bibliothek birgt, durchs gesamte Haus. Wir konnten die Hörsäle besichtigen und wurden am Ende belohnt mit einer Darbietung einer japanischen Studentin an Perkussionsinstrumenten.

Am Abend konnten wir im Badischen Staatstheater »Das Rheingold« erleben. Die Aufführung hat uns sehr gut gefallen und wir waren mit den Sängern, dem Orchester und der Inszenierung zufrieden. Selbstverständlich ließen wir den Abend angenehm ausklingen bei einem späten Essen in einem guten italienischen Restaurant.

Das Wetter am Samstag war leider sehr regnerisch, die richtige Gelegenheit also, in Museen zu verweilen, was auch ausgiebig genutzt wurde.

Am Abend im Staatstheater dann das spannende Finale des Wettbewerbs. Generalintendant Achim Thorwald begrüßte die Gäste, moderiert wurde die Veranstaltung von Katrin Lorbeer. Die acht Kandidatinnen und Kandidaten sangen jeweils eine Arie aus Werken von Richard Wagner, begleitet von der Badischen Staatskapelle unter der Leitung von Siegfried Köhler. Es war überaus spannend. Kandidaten, die beim Semifinale mit Klavierbegleitung gefallen hatten, hatten plötzlich Schwierigkeiten, dem großen Orchesterklang standzuhalten. Wieder waren die Unterschiede in Textverständlichkeit und Ausdruck eklatant. Das Publikum durfte »seinen« Wunschkandidaten wählen. Es fiel uns sehr schwer, einen Kandidaten auszuwählen – und dennoch, letztlich hatten wir uns entschieden und warteten in der Pause gespannt auf das Ergebnis der Jury.

Zunächst wurde der Publikumspreis verliehen: Der 32-jährige Bariton Falko Hönisch aus Deutschland, hatte mit seiner Arie »Nein! Lasst ihn unenthüllt!« aus Parsifal sehr überzeugt und war mit überwältigender Mehrheit vom Publikum gewählt worden.

Die Jury hatte sich entschieden, den Sonderpreis für Künstler, die am Ende ihrer Gesangsausbildung stehen, zu teilen. Die Preise gingen an Betsy Horne aus USA – auch eine meiner Favoritinnen, die mir beim Semifinale mit der »Hallenarie« sehr gut gefallen hatte – und den 26-jährigen Bariton Yoontaek Rhim aus Korea, der angesichts seiner Jugend eine sehr bewundernswerte Holländerarie »Die Frist ist um« gesungen hatte.

Dann wuchs die Spannung wirklich – wer würde den 1. Preis gewinnen? Frau Eva Wagner-Pasquier verkündete, dass der 34-jährigen Sopranistin Emma Vetter aus Schweden der 1. Preis zuerkannt werde. Wir waren mit der Wahl der Jury sehr zufrieden, war doch »Emma« auch ganz oben auf unserer Liste gestanden. Herzlicher Applaus prasselte auf Emma Vetter nieder, die zur Freude des Publikums die Ballade der Senta nochmals singen durfte.

Alle Kandidaten erhielten einen Geldpreis und von Frau Prof. Märtson eine rote Rose überreicht. Der Abend endete in fröhlicher Runde mit gutem Essen und Wein, wir konnten die jungen Künstlerinnen und Künstler persönlich beglückwünschen, alle hatten beeindruckende Leistungen gezeigt und wurden gefeiert. Die Zukunft wird zeigen, welche der Künstler sich wirklich durchsetzen können – sei es im Wagnerfach oder auch mit Opern anderer Komponisten oder im Liedgesang.

Leider waren die schönen Tage schon wieder zu Ende – Abschied war angesagt, aber wir treffen uns wieder am 6. November 2009 in Nürnberg bei den Festtagen zum 100-jährigen Bestehen des Richard-Wagner-Verbandes Nürnberg. Dort haben wir Gelegenheit, »Tannhäuser« zu hören, einem Streitgespräch zwischen Prof. Hans-Peter Lehmann und Prof. Peter Konwitschny zu lauschen, eine Führung durch das Germanische Nationalmuseum zu machen oder einen Stadtspaziergang »Auf den Spuren der Meistersinger« zu unternehmen. Ich freue mich darauf – kommen Sie doch mit!

Viola Lachenmann

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