Geburtstagsfeier« auf dem Internationalen Richard-Wagner-Kongress vom 14. bis 17. Mai 2009 in Dresden

100 Jahre Richard-Wagner-Verband

Der Franken-Sachsen-Express ruckelt und zuckelt durch scheinbar noch unberührte Natur, vorbei an riesigen grellgelben Rapsfeldern, die einen herrlichen Kontrast zu den sattgrünen Wäldern, Wiesen und Tümpeln bilden. Viel Zeit, die vergangenen vier Tage in Wagners Welt Revue passieren zu lassen.

Semperoper

Betritt man am Donnerstagabend das riesige Foyer des Hotel Maritim, dem früheren Speicher Dresdens, sieht man gleich bekannte Gesichter, die einen herzlich begrüßen. Man lauscht den Worten von Frau Professor Märtson, der derzeitigen Präsidentin des RWV International e.V., von Verena Lafferentz-Wagner und anderen Rednern, und taucht damit ein in Wagners Welt. Die Welt draußen ist vergessen.

Nach einem vorzüglichen Drei-Gänge-Menü mit interessanten Gesprächen bestaunen wir, auf der Elbbrücke stehend, ein fulminantes Feuerwerk, das anlässlich des größten Dixie-Festes Europas veranstaltet wird. Es wirkt fast beängstigend, denkt man an das andere Feuerwerk zurück, das 1945 auf Dresden niederprasselte.

KongressAm nächsten Vormittag kann ich der Delegiertenkonferenz beiwohnen, in der unser Verband als jüngstes Mitglied von weltweit mittlerweile 141 Verbänden begrüßt wird. Die Konferenz beginnt mit einem Klaviertrio von Johannes Brahms. Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch Frau Professor Märtson, die Musik als Heilmittel der Seele bezeichnet, erfolgt die Ernennung des früheren Präsidenten Josef Lienhart zum Ehrenpräsidenten. Dieser erhält als Geschenk ein großes blaues Rad, das originale Steuerrad aus einer Bayreuther Inszenierung, das Rad als Symbol ständiger Erneuerung. Daran anschließend spielt das Trio den Königsmarsch aus »Boris Godunow«. Frau Professor Märtson entschuldigte sich mit einem Blick nach oben bei Wagner, nicht seine Musik gespielt zu haben. Sodann begrüßt der Bayreuther Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl, die Anwesenden zum Geburtstagskongress. Er freut sich sehr über die Erfolgsgeschichte des weltweit größten Musikverbands.

Es gibt viel zu wählen. Die Präsidentin wird in ihrem Amt bestätigt, danach folgt die Wahl der Stellvertreter und des gesamten Präsidiums. Nach vier Stunden endet die Sitzung, die Kehlen sind bereits sehr trocken, mit der Vorstellung der beabsichtigten Vorhaben des Verbands und einem Ausblick auf die Kongresse der nächsten Jahre. Hungrig und durstig erholen wir uns in einem netten Bierlokal und bummeln durch die Neustadt Dresdens.

Aida

FoyerUm 19 Uhr beginnt »Aida« in der Semperoper. Sowohl sängerisch als auch musikalisch eine erfreuliche Leistung, vor allem Franz Grundheber als Aidas Vater gefällt uns. Die Inszenierung erscheint mir etwas kitschig, aber der Oper durchaus angemessen. Schade, dass keine Wagneroper gespielt werden konnte.

Der Samstag wird geprägt von einem wirklich interessanten Symposium in der Leipziger Musikhochschule. Besonders eindringlich gelingt der Vortrag Philippe Godefroids aus Nantes, dem Dramaturgen des Balletts »Ring um den Ring« (Berliner Staatsballett, Choreographie von Maurice Béjar), der uns nachhaltig beeindruckt. Wir empfinden Glück, Teil dieser einzigartigen Welt Wagners sein zu dürfen.

Mit dem Konzert in der Frauenkirche mit Schumann und Mendelssohns Schottischer Sinfonie sowie anschließender fröhlicher Runde im »Coselpalais«, einem wienerisch anmutenden Kaffeehaus, endet ein ereignisreicher Tag.

Coselpalais

Um 11 Uhr beginnt am Sonntag das Konzert der Staatskapelle Halle im Schauspielhaus mit Carl Maria von Webers selten gespielter 2. Sinfonie und den »Vier letzten Liedern« von Richard Strauß.

Konzert

Das Vorspiel zum Parsifal beendet das Konzert nach einer sehr interessanten und eindringlichen Rede von Josef Lienhart zur Geschichte des Verbands. Nicht nur ich frage mich, warum auf einem Richard-Wagner-Kongress nur diese eine Musik des Meisters zu hören war.

Josef Lienhart

Der Kongress endet mit einem großen Festessen im Hotel »The Westin Bellevue«, an dem ich aber nicht mehr teilnehme. Es heißt Abschied nehmen von neuen Bekannten, alten Freunden, interessanten Gesprächen, dem Frönen unser aller Leidenschaft.

Ich möchte nicht vergessen zu erwähnen, dass alternativ zu dem von mir gebuchten Programm Ausflüge unternommen werden konnten nach Meißen, Freiberg und Graupen. Selbstverständlich konnte man auch das Grüne Gewölbe, die Galerie Alter Meister und die Frauenkirche besichtigen. Als besonders spannend empfand ich die Möglichkeiten, sich auch mit ausländischen Wagnerfreunden, besonders aus Europa, aber auch aus den USA, auszutauschen.

Viola Lachenmann

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